Von NEU bis SCHROTT
Das war’s, jetzt ist es soweit. Nachdem ich mit Hilfe und viel Muehe letzte Woche noch in der Lage war, den Roller wieder in Gang zu bekommen, ist nun dasselbe Lager wieder komplett hinueber und ich konnte Mittwoch schon wieder mit eierndem Vorderrad nach Hause fahren. Damit hat sich das Kapitel Rollerfahren jetzt endgueltig erledigt, jeden Cent den ich darein stecke kann ich genausogut in den Tank vom Auto werfen.
Es sind so einige lustige Dinge passiert wie z.B.:
- Festfrieren vom Gaszug im Winter bei Vollgas.
- Ausfall des Gleichrichters (Batterie wird nicht geladen). Ergebis: Wechselstrom im System, dadurch kein Bremslicht, Hupe funktioniert nur in derselben Frequenz der Motordrehzahl, Blinker blinken mit doppelter Geschwindigkeit.
- Brechen der Bremsbelagsfedern, Ergebnis: die Belaege fallen halb aus der Zange, Bremswirkung voellig unvorhersehbar und zu 90% gleich null.
- In einer engen Kurve in Schraeglage bergab verliert das Hinterrad schnell Luft, der Reifen war im Begriff sich von der Felge zu loesen. Konnte gerade noch stehenbleiben.
- Brechen des linken vorderen Radlagers, dadurch horizontal und vertikal ueber 2cm Spiel am Vorderrad (nicht im Lenklager!). Fuerht zu eierndem Fahrverhalten, unkontrollierten Schlaegen auf den Lenker und sehr interessanten Geraeuschen.
- Rahmenbruch am Motortraege, fuerhte dauz das der Roller nicht mehr gerade abzustellen ist, der Seitenstaender voellig unbrauchbar wird und sich der ganze Roller beim aufbocken verwindet.
- Brechen von etlichen Plastiknasen und Verkleidungsteilen sowie Schrauben und Gewinden wenn man sie nur mal Boese anguckt…. Ganz genau darueber nachdenken wie wenig die Sitzbank bis zum Schluss noch davon abgehalten hat einfach vom Rahmen abzufallen moechte ich nicht.
Trotzdem hat er mich meistens brauchbar von A nach B gebracht, auch bei -17.5 Grad im Winter sowie bei ueber 30 Grad im Sommer (oben ohne fahren, yeah!
). Wir sind zusammen ueber Schnee und Eis gefahren, durch Regen und Gewitter mit heftigen Hagelkoernern die einem die Augen ausbohren wollen. Aber wie oft ich liegengeblieben bin und das Teil nach Hause geschoben habe weiss ich nicht mehr genau. Mindestens 6-7 mal.
Wenn man nicht selber Werkzeug in die Hand nimmt und die Reparaturen eigenhaendig verrichtet ist innerhalb kuerzester Zeit der Neupreis vom Roller als Arbeitslohn in die Werkstatt gesteckt. Bis auf den Wechsel vom Hinterreifen habe ich an meinem Roller alle Arbeiten komplett selber uebernommen und dabei auch eine ganze Menge ueber Motortechnik gelernt.
Was sich wirklich gut macht ist die Tatsache, dass ich mich bis heute nicht ein einziges mal mit dem Roller auf die Klappe gelegt habe und das es nicht einen einzigen Unfall gegeben hat, und Gelegenheiten gab es genug (zusaetzlich zu allem was oben steht):
- Seitenwind schiebt mich 2 Meter in Richtung Gegenverkehr.
- Auf schneeglatter Fahrbahn rutscht mir in der letzten Kreuzung vorm Ziel das Hinterrad beim Abbiegen bergauf weg.
- Auf den ersten paar Kilometern im Regen vorne viel zu stark gebremst, Vorderrad blockierte.
- Zig Leute die einem im Kreisverkehr die Vorfahrt nehmen.
- ….
Hat der Roller alles gut eingesteckt und ohne Unfall oder das es mich legen wuerde ueberstanden.
Das Ergebnis
Am 28.03.08 hab ich den Roller neu mit 0.6km auf dem Tacho hier zuhause angeliefert bekommen fuer 567 Euro inkl. Versand per Spedition. Im Zeitraum bis heute habe ich dann ca. 13.000 km gefahren bei einem Durchschnittsverbrauch von 2.5 Liter/100km. Da ich ein Jahr in Schottland verbracht habe in dem der Roller nicht bewegt wurde komm ich in den 3 Jahren den ich den Roller hatte auf ca. 5.800 km / Jahr.
- Neupreis inkl. Versand per Spedition (fahrfertig): 567 Euro
- 13.000 / 100 * 2.5 = 325 Liter (oder 65 * volltanken) entspricht 455 Euro ca.
- Ersatzteile sind ca. 450 Euro
- 1 Hinterreifen
- Komplette Radachse inkl. Lager und Buchse Vorne
- Bremsbelaege Vo+Hi
- komplette Bremsanlage Vorne
- 2 CDIs
- Motordichtsatz
- 4 Auspuffe
- Steuerkettenspanner
- Motor-Set inkl Kolben, Zylinder, Dichtungen und Kolbenringe, Abstimmset fuer Vergaser und Variomatik
- Variomatik komplett und 2 Saetze Variorollen
- Tacho, Tachowelle und Gaszug
- 4 Antriebsriemen
- 2 Ansaugstutzen
- 3 Zuendkerzen
- Luftfilter komplett inkl. Gehaeuse und 2 Luftfiltereinsaetze
- Batterie und Gleichrichter
- ….
- Versicherung fuer die 3 Jahre ca. 123 Euro
Zusammen ergibt das ca. 1.600 Euro an Kosten oder 12ct pro Kilometer. Im Vergleich dazu komme ich mit meinem Auto bei einem Verbrauch von 10 Liter/100km auf 1.846 Euro sodass ich rein vom Verbrauch her schon positiv abschneide. Wenn man davon ausgeht das beim Auto durch die weggefallene Strecke auch die ein oder andere Reparatur nicht angefallen ist sieht das Ergebnis noch besser aus. Daneben gibt es noch den ganz klaren Vorteil das keine Parkkosten entstanden sind, keine ungewollten Fotos durch Polizisten anfielen und ich den Berg zur FH nie hinauflaufen musste.
Kosten Roller insgesamt ueber 3 Jahre auf 13.000 km inkl. Neupreis, Versicherung, Ersatzteilen und Benzin: 1.595 Euro
Direkte Ersparnis da das Auto nicht bewegt werden musste: 1.846 Euro – 1.595 Euro = 251 Euro
Damit laesst sich sagen, dass trotz allem am Ende ein positives Ergebnis herausgekommen ist. Das Experiment “Rollerfahren” hat sich gelohnt, nicht nur wegen des Geldes sondern auch fuer die Erfahrung die ich gesammelt habe und die mir jetzt enorm hilft den Motorrad-Fuehrerschein zu machen.






